Hormone, Gefühlschaos - Babyblues

Viele kennen es aber drüber geredet wird selten. Babyblues. Hormongesteuert, ein Gefühls auf und ab, die reinste Verwirrung. Ein paar Mamis haben mir ihre Geschichten geschrieben wie es bei ihnen war. Das Thema kann und soll angesprochen werden, vielen hat Reden am meisten geholfen. Dafür darf man sich auch nicht schämen. Man kann meist gar nichts für die Gedanken und Gefühle. Im nach hinein kommt es einem echt lächerlich und blöd vor, wie könne man nur so denken.. Mit allen Geschichten möchten wir zeigen, man ist definitiv nicht allein! Es geht vielen so und ist das normalste der Welt.

 

Vor der Schwangerschaft hab ich davon gehört, konnte es mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass mir das passieren könnte. Wenn mein Baby da ist werde ich doch nicht weinen müssen, außer vor Freude. Die ersten Tage sind verstrichen, natürlich auch mit Freudentränen und dann einen Abend beim Stillen fing ich ohne jeden Grund an zu weinen. Ich konnte meinem Mann auch gar nicht wirklich erklären warum. Ich war ja selbst verwirrt. Es war ein Misch Masch aus positiven Gefühlen die mich überwältigt haben, dann Ängste wie „Oh mein Gott, wir sind jetzt für einen Menschen verantwortlich. Müssen auf sie Acht geben, was ist wenn sie krank wird, ihr mal was passiert. Wir müssen sie ernähren, sie groß ziehen und erziehen..“ Und weiß Gott, was ich alles gedacht habe. Leichte Panik davor wie sich unser Leben jetzt verändert. Obwohl jetzt denk ich, es ist die wundervollste Veränderung in unserem Leben. Wir haben in der Zeit ganz viel geredet. Mein Mann war IMMER für mich da. Er ist echt der super Vorzeige Daddy und der tollste Ehemann den man sich wünschen kann. Manchmal denk ich er machts besser als jede Mami es machen könnte 🙂  Und ich weiß er liest den Artikel nicht, schwärmen möcht ich trotzdem. Da wurd mir immer wieder bewusst, wir schaffen das. Gemeinsam als Team. Unser Baby ist ein absolutes Wunschkind, da taten mir meine negativen Gefühle und Gedanken so leid. Es hat meist auch nur eine halbe Stunde bis Stunde angehalten oder so.. aber dennoch dacht ich, wie kannst du nur so denken. Du müsstest NUR glücklich sein und dankbar über ein so wundervoll gesundes Wesen sein. Vor allem macht es uns unser Babymädchen echt einfach. Sie ist so lieb, ruhig und entspannt. Da war ich ja noch verwirrter. Bei mir hielt es bis zur ca. 4 Woche nach der Geburt an. Kam mal einen Tag.. dann wieder ein paar Tage nicht. Nach den ersten paar Malen wusste ich auch noch eher, es geht gleich vorbei, gleich geht es uns wieder gut 🙂 Viel Reden, nicht in sich hinein fressen und nicht dafür schämen. Baby knutschen und den Mann in den Arm nehmen. Das hilft. Mir zumindest.

 

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– R. –

 

Also als der Blues bei mir anfing, war ich erst komplett durcheinander. Ich fing an zu weinen und wusste nicht wieso. Das ging manchmal richtig lange. Und ich wusste nicht, wo mir der Kopf steht.

 

Dann ging es mit vielen vielen Gedanken und Gefühlen los.
Ich habe ja noch einen älteren Sohn. Zu dem Zeitpunkt war er noch 13,5 Monate alt. Da hatte ich ihm plötzlich ein schlechtes Gewissen. Als hätte ich ihm unrecht getan mit einem Geschwisterchen. Ich spürte so.viel Liebe für den Großen. Ich dachte die Liebe für das Baby wäre automatisch da und würde mich durchströmen, aber irgendwie war es nicht so. Es war einfach ein Vermissen vom Großen da. Dazu kommt, dass er ein Frühchen war und ich damals nicht sofort mit ihm kuscheln durfte und ich empfand das als ungerecht. Ich wollte diw Zeit zurück, wollte seine anfänglichen Schmerzen ungeschehen machen. Ich empfand es als unfair, dass ich den Kleinen kuscheln durfte und den Großen damals nicht.
Beim Kuscheln mit dem Kleinen konnte ich es deswegen auch nicht genießen. Es war echt furchtbar.

 

Ich fühlte mich wie der einsamste Mensch auf der Welt. Alle Probleme wirkten plötzlich so groß. Ich war so unglücklich. Ich wollte irgendwie weglaufen und hatte teilweise das Gefühl, ich könne den Kleinen niemals wirklich lieben. Als ich das Baby gekuschelt habe, wünschte ich mir es wäre der Große. Der Große kuschelt schon so lange nicht mwhr und das habe ich vermisst. Als ich den Großen ins Bett gebracht habe, flossen die Tränen, weil ich wollte, dass er wieder klein ist.

 

Ich habe mich verlassen gefühlt. Mein Mann kam damit nicht klar und war enttäuscht, dass ich weine. Er meinte, ich müsse doch glücklich sein, da wir ja zwei perfekte Kinder hatten. Aber ich war einfach fertig mit der Welt.

 

Dann bekam ich Angst. Angst, dass ich dem Baby nicht gerecht werden könnte, Angst, dass ich dem Großen nicht gerecht werden könnte. Angst, dass meine Eltern sterben würden und es meinem Sohn das Herz brechen würde, wenn sein Opi nicht mehr da ist.

 

Ich hatte so eine Angst, dass ich noch tiefer in ein Loch fiel und es drehte sich einfach alles im.Kreis. Es war Traurigkeit, Angst, Traurigkeit, Angst. So schlimm, dass ich zeitweise sogar schlimme Gedanken hatte, dass ich nicht mehr weitermachen konnte, dass mein Leben vorbei war.

 

Da hat echt nichts geholfen. Nur darüber zu reden. Zu sagen, dass ich mich elend fühlte. Es hielt eine Zeit an und irgendwann war es von alleine wieder weg.
Die schlimmen Gedanken habe ich quasi im Selbstgespräch laut ausgesprochen, weil ich das niemandem mitteilen konnte.

 

Es war echt keine schöne Zeit. Und von einem Tag auf den anderen war das wieder weg

 

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– E. –

 

Mein Sohn ist gerade sieben Wochen alt und erst jetzt merke ich, dass sich unser Alltag einpendelt.
Das Gefühl, dass ich hatte/habe ist schwer in Worte zu fassen. Aber irgendwie war es so, als ob ich nicht genug wäre. Ich war übermüdet, hatte nicht mehr die Zweisamkeit mit meinem Mann, trauerte meinem alten Leben hinterher, sogar meinem alten Singleleben und ganz besonders hatte ich Angst, dass ich unseren Sohn nicht genug liebe und vielleicht auch mein Mann ihn nicht genug liebt und dass mein Sohn das merkt und ihm das fehlt. Ich hab plötzlich und ohne dass ich sagen konnte warum, angefangen zu weinen. Teilweise mehrere Stunden. Hatte meinen Sohn im Arm, er schaut mich mit großen Augen an und ich musste noch mehr weinen, weil es mir so Leid tat. Dazu kam, dass wir Stillprobleme hatten und ich mir einredete, dass ich eine Versagerin bin, wenn ich meinen Sohn nicht stille.

 

Ich denke jede Frau hat noch störende Faktoren die von außen kommen: sei es die Schwiegermutter, andere Kinder denen man gerecht werden muss oder blöde Tipps von Freunden oder Familie. Bei mir ist es so, dass wir gerade ein Haus umbauen und mein Mann die Wochenenden immer auf dem Bau ist, wir wollen ja schnell mit dem Kleinen einziehen. Aber wieder hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mir die Anfangszeit mit Baby anders vorgestellt habe und auch zeitlich nicht die Unterstützung von meinem Mann hatte die ich mir gewünscht hätte. Und da musste ich auch wirklich aufpassen, meinem Mann keine Vorwürfe zu machen und mir immer wieder vor Augen halten, dass er das für uns tut.

 

Mir hat es gut getan mit meiner Mutter und mit Frauen die auch gerade entbunden haben zu reden.
Ich merkte, dass auch andere in meiner Situation sind und die gleichen Probleme haben. Schön ist es besonders wenn wir uns nachts Nachrichten schreiben wie „na, bist du auch wieder am stillen?“ wenn man merkt, dass man einen sehr gleichen Tagesablauf hat, kann man schon wieder drüber lachen.
Und meine Mutter erzählte mir von ihrer post natalen Depression nach meiner Geburt. Das ist natürlich kein Vergleich zu dem was ich hatte, war aber trotzdem sehr interessant zu hören. Sie hatte damals tatsächlich Angst mit mir alleine zu sein, weil sie dachte, sie könnte mir etwas antun. Sie war damit auch in Therapie und verwundet wie viele Frauen darunter leiden. Diese Depression hat bei ihr zum Glück nur wenige Wochen gedauert. Aber ich glaube es ist wichtig für Frauen zu wissen, dass es so etwas gibt und dass es auch Situationen gibt, in den man sich Hilfe holen kann.

 

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– S. –

 

lea war knapp 3 monate alt. es waren zwar nur 2 tage, aber die waren richtig extrem. ich hab einfach mein baby nicht mehr geliebt ☹️ da waren einfach keine gefühle mehr. wenn sie mich angestrahlt hat…ich hab einfach nix gefühlt 😭 und als ob man in so einer situation nicht schon genug mit sich selbst zu tun hat, soll man sich noch um so nen kleinen menschen kümmern, der einem nix bedeutet. zusatzbelastung. ich hab nur geweint und mir vorwürfe gemacht. mein kopf hat mir ja gesagt, dass ich einfach funktionieren MUSS, weil das kleine wesen auf fremde hilfe angewiesen ist. vor allem auf die hilfe seiner mama, die ja nunmal ich bin. ja, ich hab mich ganz normal um sie gekümmert. aber nur, weil es mir mein kopf gesagt hat. nicht, weil mein herz es gespürt hat 😞 es war wirklich schlimm und ich hab mir so vorwürfe gemacht. was denn zum teufel mit mir nicht stimmt,  dass ich mein kind nicht lieben kann. dieses kleine perfekte zauberhafte geschöpft, dass ich doch so viele monate unter meinem herzen getragen haben und mein eigen fleisch und blut ist 😞

 

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– S. –

 

Ich hatte den Babyblues ich glaube vor 2 Wochen für ca. 3 Tage. Hatte das Gefühl, mit dem Kleinen einfach nichts anfangen zu können. Er hat mich nicht genervt, das Mamasein hat mich genervt, ich empfand vieles in den Tagen als nur noch anstrengend und lästig. Und ja, ich habe mich schlecht dabei gefühlt. Da ist ein kleiner Knirps, der mich braucht, den ich mit Liebe versorgt habe und plötzlich hatte ich einfach keine Lust mehr darauf. Ich wollte nur noch schlafen, meine Ruhe haben, war um jede Gelegenheit froh, wo der Kleine mit Oma oder Papa beschäftigt war und ich einfach einkaufen fahren konnte (dabei hasse ich einkaufen !!). Ich brauchte eine Atempause vom Mamasein. Mein Mann haat mich da zum Glück unterstüzt und Joshua mir überwiegend abgenommen und irgendwann war das Gefühl einfach wieder da, mich zu freuen, wenn MEIN BABY mich anlächelt und sich freut, wenn ich ihm was vorsinge.

 

Ich denke, dass es wichtig ist, insbesondere mit seinem Partner darüber zu sprechen und sich auch mal „Mamapausen“ zu gönnen. ALLEINE spazierengehen, einkaufen, ne Stunde in die Wanne oder mit einer Freundin essen gehen usw. Irgendwas wo man einfach man selbst ist. Hilft auch beim Stressabbau.

 

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– S. –

 

Und plötzlich ging alles ganz schnell. Viel zu schnell, wenn man bedenkt, dass dieser kleine Mensch über 9 Monate in meinem Bauch war und gerade mal vor knapp 12 Stunden die Wehen ganz langsam begonnen hatten. Nach zwei Stunden Presswehen wurde entschieden, mein Baby per Kaiserschnitt zu holen. Nach dem er das Licht der Welt erblickt hatte, wurde er mir kurz gezeigt und anschließend von der Hebamme versorgt. Ich wurde ebenfalls versorgt und anschließend auf die Intensivstation gebracht. Dort lag ich dann und wartete. Irgendwann kamen dann endlich mein Mann, die Hebamme und mein Baby.
Die ersten Stunden nach der Geburt fühlte ich mich wie benebelt. Weit und breit keine Glücksgefühle. Ich fühlte mich wie in einem Traum. Kein schlechter, aber halt auch kein wunderschöner, so wie es einem vor der Geburt immer suggeriert wird und ich es mir auch immer vorgestellt habe. Der erste Besuch kam, mein Mann hielt unseren Sohn stolz in seinen Armen und ich stand immer noch neben mir. Bei der ersten Visite nach der Geburt meinte der Arzt zu mir, dass, wenn ich irgendwann das Bedürfnis hätte, über die Geburt zu sprechen, könne ich mich jederzeit melden. In dem Moment tat ich das ganze noch ganz locker ab und meinte, dass es nicht so wild sei. Es gab ja keine Alternative zu dem Geschehenen und so muss ich das auch hinnehmen. Mit dem Milcheinschuss kamen dann auch die Tränen und eine unglaublich große, unerklärbare Angst. Ich weinte und wusste nicht warum. Zum Glück hatte ich zu dieser Zeit gute Freundinnen, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen und mir sagten, dass das ganz normal sei. Ich empfand mich in dem Moment alles andere als normal. Und auch wenn die Angst groß war, wollte ich einfach nur nach Hause. Ich wollte mit meinem Baby ins Wochenbett springen und erst wieder aufstehen, wenn ich mich fit genug fühle. Aber irgendwie kam dann doch alles anders. Kaum Zuhause hatten mein Mann und ich versucht wieder in den Alltag zu finden. Irgendwie waren wir beide unabhängig voneinander der Meinung, dass jetzt alles so weiter läuft wie vorher. Dazu kam dann noch eine Äußerung von meiner Vertretungshebamme, die zumindest mich darin bestätigt hat. Sie meinte zu mir „immer wenn ich zu euch komme, liegst du im Bett“, „ das kann man sich auch nur beim ersten Kind leisten“. Und zack fühlte ich mich wieder schlecht. Nach knapp 1 1/2 Wochen kam dann meine Hebamme endlich aus dem Urlaub und sie fragte mich sofort wie es mir geht. Ich erzählte ihr von der Geburt und den Tagen danach und von dem Gefühl mich um ein fremdes Kind zu kümmern. Irgendwie war da diese unerklärbare Leere in mir. Wo zum Teufel waren diese unglaublichen Glücksgefühle von der alle glücklichen Neumamas sprechen? Meine Hebamme meinte, sie hätte von Anfang an gespürt, wie sehr ich meinen Sohn liebe, aber mir selbst war das irgendwie nicht so klar. Irgendwann habe ich dann unser Geburtserlebnis aufgeschrieben und es fühlte sich an, als würde sich ein Knoten in mir lösen. Ich redete viel über das Erlebte und begann endlich zu verarbeiten. Dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen, aber so langsam fühle ich mich wieder wohl in meiner Haut. So langsam heilt auch die letzte Wunde der Geburt. Ich liebe mein Kind überalles und ich bin mir inzwischen sicher, dass ich das von der ersten Sekunde an getan habe, nur fühlte es sich eben nicht von Anfang an so an.

 

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Wir Frauen leisten so viel in der Schwangerschaft, bei der Geburt und nachher. Da darf man auch mal weinen, solang man danach wieder lacht. Wir sind alle toll!

 

Wer seine Geschichte gern mitteilen möchte kann mir gern schreiben.